TAMIYA ist ohne Zweifel der Erfinder des M-Chassis. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Kleinwagen in Japan eine riesige Fangemeinde haben und TAMIYA diese Begeisterung früh in den RC-Maßstab 1:10 übertragen hat. In der breiten Palette an M-Chassis-Modellen – vom einfachen Fronttriebler bis zum hochgezüchteten Allrad-Chassis – sticht ein ganz besonderes Fahrzeug hervor: das TA-05 M-Four. Es handelt sich um einen waschechten Mini-Tourenwagen mit 210 mm Radstand und 160 mm Spurbreite, der die Technik des großen TA-05 in ein kompaktes Format überführt. Angetrieben werden alle vier Räder über zwei Zahnriemen, die Vorder- und Hinterachse miteinander verbinden. Beide Achsen verfügen über ein Differential, wobei das vordere mit einer höheren Sperrwirkung als das hintere betrieben wird – ganz so, wie man es von einem klassischen 4WD-Tourenwagen kennt.
Das Besondere am TA-05 M-Four ist seine Herkunft: Es ist ein nahezu maßstabsgetreu verkleinerter TA-05. Der Antriebsstrang ist sogar baugleich mit dem großen Bruder, lediglich die Riemen wurden gekürzt und die Querlenker verschmälert, um auf das kompakte M-Chassis-Format zu kommen. TAMIYA selbst gibt den Maßstab mit 1:12 an, was etwas verwirrend ist, da sämtliche M-Chassis-Karosserien im 1:10-Maßstab auf das Chassis passen. In der Praxis fährt man den TA-05 M-Four also mit den gleichen Karosserien wie jedes andere M-Chassis – ein cleverer Schachzug von TAMIYA, der den Einsatz bestehender Bodengruppen ermöglicht.
Der Typ-380-Motor – klein, aber kultig
Der gravierendste Unterschied zum großen TA-05 ist der Motor: Wegen der kompakten Bauweise findet im TA-05 M-Four ausschließlich ein Typ-380-Motor Platz. Ein klassischer 540er, wie er in nahezu allen 1:10-Chassis Standard ist, passt schlicht nicht in den engen Bauraum zwischen den Riemenscheiben. Der 380er-Motor ist in Durchmesser und Länge deutlich kleiner, leichter und dreht in der Regel mit höheren Drehzahlen – allerdings bei wesentlich geringerem Drehmoment. In der Praxis bedeutet das: Der kleine Motor muss härter arbeiten, um das Chassis auf Tempo zu bringen, und stößt thermisch deutlich früher an seine Grenzen. Damit ist der TA-05 M-Four eher ein gemütlicher Cruiser als ein reinrassiges Wettbewerbsfahrzeug.
Technische Spezifikationen
| Hersteller | TAMIYA |
| Modell | TA-05 M-Four (84255) |
| Maßstab | 1:12 |
| Antrieb | Allradantrieb über Riemen |
| Motortyp und -position | Mittelmotor Typ 380 |
| Interne Übersetzung | 2.4375 zu 1 |
| Akku-Größe | Shorty, flache Bauhöhe |
| Spurbreite | 160mm |
| Radstand | 210mm |
| Material (Chassis-Platte) | Carbon |
| Erscheinungsdatum | 17. Dezember 2011 |
Die Untersetzung – Fluch und Segen
Ein weiteres prägendes Merkmal des TA-05 M-Four ist die für M-Chassis-Verhältnisse ungewöhnlich hohe Gesamtuntersetzung. Je nach gewähltem Motorritzel und Hauptzahnrad liegt die finale Übersetzung zwischen 5,98:1 und 8,22:1. Zum Vergleich: Ein klassischer Tourenwagen mit 540er-Motor fährt typischerweise Gesamtübersetzungen im Bereich von 4:1 bis 6:1 – der TA-05 M-Four ist also selbst in seiner kürzesten Abstimmung am oberen Ende dessen, was bei einem großen Chassis als kurz übersetzt gilt. Die lange Übersetzung von bis zu 8,22:1 ist dem kleinen 380er-Motor geschuldet, der mit seiner geringeren Durchzugskraft auf eine hohe Drehzahlübersetzung angewiesen ist, um überhaupt nutzbaren Vortrieb zu erzeugen.
Im Vergleich zum großen TA-05, der mit einem potenten 540er-Motor bestückt wird, fühlt sich das M-Four-Chassis dadurch spürbar gemächlicher an. Der 540er liefert schon bei niedrigen Drehzahlen sattes Drehmoment und katapultiert das Fahrzeug aus engen Kurven, während der 380er im TA-05 M-Four bei zu kurzer Übersetzung schlicht überfordert wäre und übermäßig Hitze aufbaut. Ein schnelleres Setup ist theoretisch machbar, stößt aber schnell an thermische Grenzen: Der kleine Motor heizt sich dann so stark auf, dass Leistungsverlust oder im schlimmsten Fall ein thermischer Schaden drohen.
Fahreigenschaften & Setup
Das Chassis ist sehr genügsam in seiner Fahrweise und lässt sich durch den außergewöhnlichen Antriebsstrang nur schwer mit anderen 4WD-M-Chassis vergleichen. Die von TAMIYA vorgesehene lange Übersetzung trägt zu einer betont gemächlichen, fast schon kultivierten Fahrweise bei. Wer den TA-05 M-Four mit originalgetreuem Setup fährt, erlebt ein unaufgeregtes, aber sehr harmonisches Fahrverhalten – ideal für entspannte Runden auf dem Parkplatz oder für Liebhaber der besonderen Technik.
Für den Renneinsatz ist das TA-05 M-Four damit eher ungeeignet. Ein modernes 4WD-M-Chassis mit 540er-Motor und kurzer Übersetzung wird dem TA-05 M-Four auf jeder Strecke davonziehen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist das Chassis unter den allradgetriebenen M-Chassis etwas ganz Besonderes. Es verbindet die kultige TA-05-Doppelriemen-Technik mit dem Charme des kleinen Formats und erinnert daran, dass RC nicht immer nur nach Bestzeiten schreien muss. Manchmal geht es einfach um die Freude an einer durchdachten, außergewöhnlichen Konstruktion.
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